Dienstag, 30. Dezember 2014

Weihnachten beginnt das Christsein neu

An Weihnachten geht der Blick auf den Anfang, besser gesagt auf den Neueinsatz der Geschichte Gottes mit seinem Volk.
Wer sich die seither stattgehabte Geschichte des Christentums anschaut, kann, wie Karlheinz Deschner eine Kriminalgeschichte darin erkennen. Auch eine "von oben" bestätigte Heilsgeschichtsschreibung ist, je nach Argumentationsgang, möglich. Möglicherweise beides.

Samstag, 27. Dezember 2014

Ich sehe Dich mit Freuden an - Kinderglück im Bild

In diesem Jahr hatte ich das Glück einer Weihnacht vor dem Advent – das Töchterlein kam im Oktober.  Weihnachten als Fest der Geburt eines solchen Glücks vieler Menschen kann ich also gut eingestimmt begehen.

In unserer bilderreichen Zeit werden die ersten Fotos sofort nach der Geburt geschossen. Jesus, Grund größter Freude für Christen seit vielen Jahrhunderten, ist dagegen nie abgelichtet worden. Wohl aber wurde sein Leben von frühester Zeit an bebildert. Ihn mit Freuden anzusehen, wie das Kirchenlied es sagt, war frommen Gemütern immer ein Herzenswunsch, auch wenn dieser Wunsch bisweilen im Kitsch zu versinken drohte.

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Weihnachten: Gott-Vater-Sohn umarmt die Welt

Zu Weihnachten tritt der welterschaffende Gott endgültig hinter den Kulissen der Schöpfung hervor. Doch nicht als oberster Dramaturg erscheint er, sondern als Kind. Gott wird nicht nur ein Mensch, er wird ein kleiner Mensch, ein Kind, auf das wir herunterschauen.

Montag, 22. Dezember 2014

Weihnachtsgraffiti-Contest

Alle Jahre wieder kann man allerorten auf das Hohe Fest einstimmende Texte finden, manchmal in Form von Forderungen, manchmal als Statement oder lyrische Kurzmeditation, gelegentlich als paradox formulierter Koan. 

Samstag, 20. Dezember 2014

Vierter Advent - Engelskuss statt Pegida

Kurz vor Weihnachten bietet das Evangelium vom heutigen Vierten Advent (Lk 1,26-38) einen Rückblick, wie all das begann, was in den nächsten Tagen gefeiert wird. Der Gruß des Engels an Maria zeigt Gottes Vertrauen in die Aufnahmebereitschaft der Menschen, verkörpert in der jungen Frau aus Nazareth.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Kind frisst Geist – Über Pfingsten im Advent

1   "Komm Du Heiland aller Welt" vs. "Komm herab, o Heilger Geist"
Klar sind da Ähnlichkeiten: In adventlicher Vorfreude bitten Christen singend um das Kommen des Heilands und im nachösterlichen Rufen um den Beistand des Geistes.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Freu Dich, Du bist nicht der Messias

Leuchten am Grimm-Zentrum. Berlin-Mitte, 2014.
Freu dich, Du bist nicht der Messias.
Freu Dich, Du musst die Welt nicht retten.
Freu Dich, Du brauchst nur Dein Kreuz zu tragen.

Samstag, 6. Dezember 2014

Was man so mit der Muttermilch aufsaugt... - Bilder vom Essen

 Von Liebe allein kann ja doch niemand leben...

So lassen sich alle kindlichen Entwicklungsschritte wunderbar nachvollziehen.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Franz Xaver - Offenheit und Vernunft im Dienste Gottes

Eines staunenswerten Mannes gedenkt die Kirche heute: des Jesuiten Francisco de Xavier.
Als einst bekanntester Missionar der frühen Neuzeit bereiste der gebürtige Baske von 1542 an Indien, Malaysia, Indonesien, Japan und starb schließlich 1552 auf einer kleinen Insel vor dem chinesischen Festland.

Beim Lesen einiger seiner Briefe lerne ich ihn als faszinierenden Glaubensboten kennen – selbstlos, hingabebereit, engagiert, lernwillig und idealistisch.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Nuckel statt Brust - Über "Surrogate der Befreiung"

Es ist so gemein – um einschlafen zu können, bekommt das Kind einen Finger oder Nuckel in den Mund gesteckt, damit es ruhig wird und schläft.
Es saugt und nuckelt und zieht und – beruhigt sich wirklich. In diesem Moment braucht es gar nicht die nährende Milch, sondern ist mit einem Surrogat, einem Ersatzmittel, zufrieden und schläft ein.

Sonntag, 30. November 2014

Adventskalender als Wächter

Einerseits...
Der Einstieg in die in die Vorbereitungszeit auf Weihnachten kann zur Kritik an allem Möglichen dienen. Auch ich bin skeptisch angesichts voradventlicher Weihnachtsmärkte, Weihnachtsfeiern und Weihnachtssüßigkeiten.

Donnerstag, 27. November 2014

Der Welle Tod – Gedanken über "Schweigeminute" von Siegfried Lenz

Jetzt, kurz nach dem Tod von Siegfried Lenz, habe ich eine seiner letzten Novellen gelesen, die Liebesgeschichte "Schweigeminute".1 Darin erzählt Lenz die Beziehung des Schülers Christian zu seiner Lehrerin Stella in einem Ostseehafenstädtchen, aufgebaut als Rückblick Christians während der Gedenkstunde anlässlich ihres Unfalltodes.
Es ist eine anrührende und traurige Geschichte, und trotz der recht arglos geschilderten Verstrickungen von Bewertungsmacht der deutlich älteren Lehrerin bei scheinbar leicht sich entspinnender Liebe, ein Faktum, das durch die Aufdeckungen der vergangenen Jahre noch einmal in anderem Licht erscheint, trotz dieser Fragwürdigkeit also war ich ergriffen von der und tiefen inneren Bewegtheit Christians.

Mittwoch, 26. November 2014

Mit Gott reden wie mit einem Kleinkind

Wann gelingt Kommunikation? – Wenn etwas auch ungefähr in dem Sinne ankommt, wie es gemeint ist. Alltagsdeutsch: wenn wir uns verstehen. Das kann man im Bilde von vier Ohren oder fünf Sprachen der Liebe ausdrücken, ganz nach Belieben.
In der Beziehung zu meiner inzwischen fast sieben Wochen alten Tochter sind mir zwei Kommunikationsgrundsätze aufgefallen, die durchaus parallel zur Kommunikation mit Gott gehen. Eine bemerkenswerte Beobachtung gibts hinterher.

Samstag, 22. November 2014

Eine Heimat namens Liebe

Das klingt kitschig.
Möglicherweise aber formuliert es sich so am leichtesten mitten in einem Leben der Heimatlosigkeit, wie es Mascha Kaléko zu führen hatte, auf die diese Wortzusammenstellung zurück geht. Ihr Leben - eine Odyssee: von Galizien über Berlin in die USA und nach Israel, oft getrieben und innerlich verwundet, ausgefüllt mit großem Sehnen und dem Wunsch nach Geborgenheit.

Sonntag, 16. November 2014

Talent und Furcht - Kafkas Brief an den Vater

Du hast mich letzthin einmal gefragt, warum ich behaupte, ich hätte Furcht vor Dir.“ So beginnt Franz Kafka seinen "Brief an den Vater"1, der mir vorkommt wie ein Kommentar zum Talente-Gleichnis im heutigen Sonntagsevangelium (Mt 25,14-30). Der ganze Brief ist ein Antwortversuch auf die Frage des Vaters – oder eben, als würde der Knecht, der ein einziges Talent erhielt, erklären wollen, wie er ein solches Bild seines Herrn bekam, das er bekennen muss: “Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist [...] weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt.“ (24f)

Donnerstag, 13. November 2014

"Beeilen wir uns" - Ein Gedicht von Jan Twardowski

Es ist das bekannteste Gedicht von Jan Twardowski, und jetzt, da ich endlich eine zweisprachige Ausgabe1 seiner Gedichte im Hause habe, möchte ich ein paar Worte dazu schreiben.
"Śpieszmy się" heißt es im Original und mit der Selbstaufforderung, sich nur ja zu beeilen, deutet sich schon an, worum es dem polnischen Priesterdichter geht, hier wie auch sonst: um eine individuelle Haltung, die ein "magis", ein "mehr" sucht und dabei natürlich Allgemeinheit, Gesellschaft sucht.

Samstag, 8. November 2014

Selbstermächtigung, praktisch – Mauerfall und Sterbehilfe

Der Mauerfall war (jaja, neben vielem anderen) vor allem ein Ergebnis des kollektiven Wunsches, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich nicht länger fremdbestimmen zu lassen. Individueller Mut und gemeinsames Engagement führten zur Selbstermächtigung in einem System, das gerade dies nicht zulassen wollte und lange Zeit gewaltsam dagegen vorging.

Freitag, 7. November 2014

Ein stilles Gebet für mein Kind

Die folgenden Zeilen stammen von Mascha Kaléko und sind aus dem Februar 1938, als ihr Sohn Evjatar eineinhalb Jahre alt war.
Kaléko war damals für ihre melancholisch-heitere Lyrik in Berlin einigermaßen bekannt, konnte aber als "Ostjüdin" in Deutschland nicht mehr veröffentlichen, deshalb verließ sie mit ihrem Mann bald nach der Niederschrift das nationalsozialistische Deutschland und emigrierte in die USA.

Dienstag, 4. November 2014

Wo ist die Kirche? - Kurt Kardinal Koch über die Ökumene

Als Auftakt der Jubiläums-Ringvorlesung "Ökumene einer Streitkultur?" zum 10-jährigen Bestehen der katholischen Guardini-Professur an der evangelischen Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin sprach gestern der Kardinal und Präsident des Päpstlichen Einheitsrates Kurt Koch über den Stand und die Perspektiven der ökumenischen Beziehungen zwischen römisch-katholischer und lutherischer Kirche.

Montag, 3. November 2014

Nichts zu zeigen in Neukölln.

Neukölln wertet sich auf. Aber immer noch gibt es auch im Herzen dieses hippen Stadtteils brache Möglichkeiten, neue Cafés, Galerien, Kinderläden oder Co-Lab-Spaces zu eröffnen.

Nichts zu zeigen zu haben erfordert Mut zur Leere - doch der horror vacui, der sich hier im Herzen einer Metropole zeigt, ist grenzwertverdächtig.

Freitag, 31. Oktober 2014

Zwischen Reformatoren und allen Heiligen - Oder: Näher zu Gott

Terminlich zwischen diesen und jenen liegt natürlich der aufgeblasene Abend mit den Kürbissen, Fratzen, Süßigkeiten und Monstern. Was man mit Kürbissen besser macht, zeigt das Bild.
Wichtiger ist aber, dass das Andenken an die in dämonischen Kindern wiederkehrenden Toten, die von der katholischen Kirche als Heilige verehrt werden, sich trifft mit dem Anliegen, dass Protestanten auf der ganzen Welt an ihrem großen Tag feiern.
Das Anliegen heißt: Näher zu Gott.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Das Licht der Welt erblicken

Zum Beruhigen meines Kindes (das Stillen ist mir ja nicht gegeben) zeigt sich, dass die Klassiker des christlichen Liedgutes aus den Jahren meiner Kindheit und Jugend sich dazu gut eignen.
Auch das lange nicht mehr im Gottesdienst gehörte „Du bist das Licht der Welt“ gehört dazu. Wobei mit dem Licht natürlich nicht das Kind gemeint ist, sondern Jesus, der von sich ja sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ (Joh 8,12)

Samstag, 25. Oktober 2014

Der größte Plan aller Zeiten

Im Evangelium des Sonntags stellt Jesus das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe als wichtigstes Gesetz - also als größten Wunsch - Gottes vor. Wenn wir es nämlich leben, verwirklichen wir den ursprünglichsten Plan Gottes mit seiner Schöpfung.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Johannes Paul II. – Die Frage nach dem Menschen vor Gott

Man kann ja von Johannes Paul II. halten, was man mag, aber er ist auf jeden Fall einer, der Grundsätzliches gern geklärt hatte. Ob man den Papst, der in diesem Jahr heiliggesprochen wurde, nun als Wegbereiter für den Zusammenbruch des Kommunismus sieht, als Parteigänger eines antiquierten Familienbildes, als mobilstmöglichen Reisepapst oder als einen, der nicht Kraft und Lust hatte, den sexuellen Missbrauch in der Kirchenhierarchie aufzudecken und zu ahnden, durchgängig ist für ihn doch sein Einsatz für den Menschen, wie er ihn verstand, in all seinen politischen, sozialen und seelischen Bezügen.

Samstag, 18. Oktober 2014

Umweht vom Heiligen – Biblisch-literarische Gedanken zum Neugeborenen

Auch wenn sich die Familiensynode des Weltepiskopats nur am Rande damit beschäftigt: Alle meine Gedanken und meine Aufmerksamkeit für kirchliche und politische Neuigkeiten sind dieser Tage durch das neue Erlebnis des Vaterseins geprägt, alles denkt sich von dort her und darauf hin. Da ist die Ruhe der ersten Tage des Willkommenheißens für mein Kind und die Zeit zum Kennenlernen ein großes Glück!

Montag, 13. Oktober 2014

Ein neuer Mensch - eine neue Ewigkeit

Die wunderbare Wirklichkeit eines Neugeborenen: nicht mehr zurückgenommen zu werden. Mehr kann man sich wirklich nicht wünschen:

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Jesus für Brave

Ich möchte mal überspitzt formulieren, worüber ich regelmäßig nachdenken muss und auch an dieser Stelle schon geschrieben habe: So wie die christliche Botschaft heute landläufig verstanden und oft auch angepriesen wird, kann sie nicht wirklich anziehend auf Menschen jenseits der konservativen, etablierten und traditionellen Milieus wirken.

Montag, 6. Oktober 2014

schon und noch nicht - Gedanken vor der Geburt

Es ist schon alles vorhanden. Fast vollendet ist es nur noch nicht in Erscheinung getreten. Ungesehen reift es zu Ende und wird erst dann offenbar und für alle Augen sichtbar sein.

So oder ähnlich beschreiben die Theologen das Reich Gottes, das Jesus verkündet hat.
Dieses Gefühl, in einer Zwischenzeit von "schon" und "noch nicht" zu leben, die jederzeit vorbei sein kann, kenne ich unmittelbar vor der Geburt unseres Kindes jetzt auch.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Therese von Lisieux - Im Regen geschrieben

Eines der ersten Gedichte von Hilde Domin, die mich gefesselt haben, ist "Im Regen geschrieben"1 Es geht um die Gewissheit, dass das Gute auch in Finsternissen ausstrahlt.

Dienstag, 30. September 2014

Die Welt von außen – Über "Bilder deiner großen Liebe"

Das Nachwort sagt, "am Ende sollte ein zusammenhängender Text dastehen, der vorhandene Lücken aber nicht verbirgt."1 Das ist gelungen.
Und nicht nur das: ein geniales Buch ist aus dem Zusammenstellen der hinterlassenen Romanfragmente von Wolfgang Herrndorf entstanden. Da sind hinreißende Passagen von Begegnungen am Straßenrand, aber auch abseitige Erfahrungen mit Mensch und Natur, und immer wieder Einblicke in eine extreme Innenwelt, die eine Interpretation nicht leicht machen. Aus all dem ergibt sich eine bisweilen lyrische, bisweilen kritisch-ironische Perspektive auf die Welt, in der wir uns bewegen.

Freitag, 26. September 2014

Pesthelden und Himmelsrapper. Über die Trennung von der Kirche und die Sehnsucht nach dem Himmel.

Die Bischöfe haben nach Beendigung ihrer Herbstvollversammlung in Fulda wie üblich eine Pressekonferenz gegeben. Dabei ging es neben vielem anderen auch um die stark diskutierten Kirchenaustrittszahlen, die ja oft in Verbindung gebracht werden (a) mit dem Beginn der Aufdeckung von Missbrauchsfällen durch katholische Seelsorger 2010, (b) dem Ärger über die Bauvorhaben des damaligen Limburger Bischofs Tebartz-van Elst 2013 oder (c) dem automatisierten Einzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge durch die Banken 2014.

Sonntag, 21. September 2014

Das lutherischste aller Evangelien

Nicht die Länge oder Schwere deines Einsatzes, nicht die Qualität deiner Leistung, sondern die Gnade des Herrn ist entscheidend. Das ist die hauptsächliche Botschaft der heutigen Lesung aus dem Matthäusevangelium (20,1-16).

Samstag, 20. September 2014

Was von Jehovas Zeugen zu lernen wäre

Vielleicht beruhte mein eleganter Hochmut ja nur auf einem Missverständnis. Vielleicht ist das Ganze ja bewusst und gewollt und der bisherige Eindruck einfach falsch: Vielleicht lässt sich von den Zeugen Jehovas in ungeahnter Weise Demut lernen.

Dienstag, 16. September 2014

Nichts zu sagen

Manchmal hat man was zu sagen, manchmal glaubt man nur, was zu sagen zu haben, manchmal hat man nichts zu sagen.
Komisch.

Mittwoch, 10. September 2014

Ein geteiltes Herz oder doppelte Zugehörigkeit? – Verheiratet und Christ zugleich

Selbstverständlich kann man Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr und im Kirchenchor sein. Die beiden Betätigungen schließen sich nicht gegenseitig aus und sind zeitlich nicht derart aufreibend, dass sie unvereinbar wären.

Samstag, 6. September 2014

Leidsensible Außenpolitik

"Wir glaubten, dass wir uns durch Vernunft und Recht im Leben durchsetzen, und wo beides versagte, sahen wir uns am Ende unserer Möglichkeiten. Wir haben die Bedeutung des Vernünftigen und Gerechten auch im Geschichtsablauf immer wieder unterschätzt."1 So schreibt D. Bonhoeffer aus der Haft an sein Patenkind.
Angesichts des Kriegsschreckens, der in Teilen der Welt tobt, angesichts der Rechtslosigkeit und Unvernunft fühle ich mich wie gelähmt. Zwar beschäftigt mich das Leiden so vieler Menschen dauernd, aber ich kann mir keinen Reim auf das Chaos machen. Zudem bekomme ich mehr und mehr das Gefühl, dass die Angst vor der Schuld und dem Versagen politischer Entscheidungen auch viele politisch Verantwortliche lähmt.

Freitag, 29. August 2014

Alle Tage - Gedanken über die Ehe

Aus gegebenem Anlass habe ich mir diese Woche den letzten Film von Michael Haneke angeschaut: "Liebe" – ein Drama von zwei Menschen und ihrem gemeinsamen Weg im hohen Alter. Wie sich das Zusammenleben in Spannung und Entspannung, in Zärtlichkeit und Scham, Zuwendung und Hilflosigkeit vollzieht, das ist grandios erzählt und gespielt.

Montag, 18. August 2014

Samstag, 16. August 2014

Umgang mit dem Licht

Das heutige Evangelium stellt die Kinder als Vorbilder in die Mitte (Mt 18,13-15).
Selbiges tut der Philosoph Heinrich Spaemann, den ich aus diesem Anlass zu Wort kommen lassen möchte:

Donnerstag, 14. August 2014

Wovor knien wir?

Der Duden bringt es mit nüchternen Worten auf den physischen Kern: "eine Haltung einnehmen, bei der das Körpergewicht bei abgewinkelten Beinen auf einem oder beiden Knien ruht".1
Das kann durchaus schmerzhaft sein, wurde ja zuweilen auch als Strafe verwendet oder zur Verdemütigung – die kniende Haltung derer, die anschließend enthauptet werden sollten, spricht Bände.

Samstag, 9. August 2014

Meine Lieblingsheilige Edith Stein

Edith Stein ist für mich die Frau des 20. Jahrhunderts.

Aus einem ihrer Gebete:

"Du senkst voll Liebe
deinen Blick in meinen
und neigst dein Ohr
zu meinen leisen Worten
und füllst mit Frieden
tief das Herz.

Freitag, 8. August 2014

„ich bin ja hier“ - Ein neuer alter Satz von Saša Stanišić

ich bin ja hier“ – so lautet der letzte Satz in Saša Stanišić' Roman „Wie der Soldat das Grammofon repariert1, der anrührend-komischen Geschichte einer Kindheit im zerfallenden Jugoslawien und damit im beginnenden Krieg. Beim Lesen des Romans war ich zunächst in Sorge, ob der locker-flockige eigenwillige Beginn sich stilistisch so durchziehen würde. Im Verlauf bleibt auch ein starker Stilwille erkennbar, auch die lockere Sprache besteht weiter, aber sie fängt zunehmend sensibler die Kriegserfahrungen aus Kinderaugen ein.

Dienstag, 5. August 2014

Arbeiter in Bunt

Urlaubszeit: Reisen, entspannen und dabei Fotos machen.
Vor einiger Zeit habe ich für Letzteres auch noch Instagram entdeckt und merke, wie einfach das überflüssige Grau in der Realität durch eine mehr oder minder dezente Farbgebung und Akzentuierung ersetzt werden kann.
Selbst die an Urlaubsorten und auch anderswo gegenwärtig arbeitende Bevölkerung erscheint dann leichter, bunter, froher. Nicht ganz so angestrengt wie des Urlaubers Programm.
Hier eine Auswahl. (Mehr davon auf meinem Instagram-Profil)

Donnerstag, 31. Juli 2014

Ignatius für heute

Karl Rahner hat Ignatius von Loyola in seiner unnachahmlichen Weise eine feurige Rede in den Mund gelegt, in der dieser heutige Jesuiten darauf hinweist, wie sein Wirken zur größeren Ehre Gottes und im Dienste der Kirche zu verstehen ist.

Dienstag, 29. Juli 2014

Marta - Loslassen und nicht vergessen

Ein kurzer Gedanke zum ambivalenten Schauen auf das menschliche Tun: „Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ (Mk 10,17)
Oder Martas Schielen auf die nur herumsitzende Schwester und ihr Hoffen auf Jesu zurechtweisende, Tun gebietende Autorität (Lk 10,40). Der aber sagt hier wie da dasselbe: loslassen.

Samstag, 26. Juli 2014

Der Friedensschatz

Mit dem Frieden ist es wie mit einem Schatz, der unter den Trümmern der Welt vergraben war. Inmitten der Unruhen der Welt entdeckte ihn ein Mann. Aus Furcht, der Friedensschatz könne Schaden nehmen, grub er ihn wieder ein. In seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, kaufte die Trümmer der Welt und mit ihnen den Frieden. Er grub ihn aus, polierte ihn und ließ ihn frei. So hatte er selbst nun nichts, schenkte aber der Welt den Frieden, den sie so suchte.

Samstag, 19. Juli 2014

Der 20. Juli 1944 – Welche Ernte gibt es?

Weizen und Unkraut wachsen gemeinsam empor; wenn die Felder gepflegt werden, kommt nicht nur das Gute, sondern auch das Schlechte aus der Erde heraus. "Lasst beides wachsen bis zur Ernte" (Mt 13,30) befiehlt der Bauer im Evangelium des heutigen Sonntags (Mt 13,24-30) seinen Arbeitern. Denn zur Zeit der Ernte wird beides seinen Platz finden – in der Scheune oder im Feuer.

Im großen Gedenkjahr 2014 wird vielerorts gefragt, was das Erbe des Deutschen Kaiserreiches war, durch das der Erste Weltkrieg vor hundert Jahren maßgeblich verschuldet wurde und in dessen Folge es letztlich unterging. Welche Mentalitäten wirkten weiter, welche Strukturen schwächten die Weimarer Republik, welche Kontinuitäten lassen sich ins "Dritte Reich" verfolgen?

Mittwoch, 16. Juli 2014

Transsubstantiation in der Eucharistie – und in der Taufe

1   Ein Riß zwischen Innen und Außen
Äußerlich wahrnehmbares Erscheinungsbild einer Sache oder einer Person und die tatsächliche innere Gegebenheit, Innen und Außen klaffen in unserer Welt oft auseinander. So gern wir es oft hätten, die idealistische Vorstellung, dass das Wahre, das Gute und das Schöne deckungsgleich sein müssten, wird nur zu häufig ad absurdum geführt. Es ist eben, wie das Sprichwort sagt, nicht alles Gold, was glänzt.

Freitag, 11. Juli 2014

Frère Roger und die ökumenische Frage nach dem Papstamt

Zur Zeit brodelt es wieder in den ökumenischen Gesprächen. Vor allem die Evangelische Kirche Deutschland scheint sich bei ihrer Standortbestimmung in Vorbereitung auf das große Gedenkjahr 2017 eher zu rekonfessionalisieren. Scharfe Reaktionen auf das aktuelle Dokument evangelischer Selbstvergewisserung ließen nicht lange auf sich warten, der Ökumeniker W. Thönissen beispielsweise sieht auf dieser Grundlage keine Möglichkeiten für gemeinsam verantwortete Feierlichkeiten.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Taizé - Überwältigung, Ökumene, Landschaft

1 "Überwältigung"
Fußballspiele bieten im besten Fall eine Menge überraschender Highlights, wie die letzte Nacht eindrücklich bewiesen hat. Emotionale Überwältigung und Freudentaumel führen zu rauschhaften Zuständen und Festen. Hier zeigen sich meiner Meinung nach gemeinsame und unterschiedliche Punkte im Blick auf eine Woche Taizé, wie ich sie gerade mit einer großen Gruppe Jugendlicher aus Berlin erlebt habe: 

Samstag, 28. Juni 2014

Apostelfest Petrus und Paulus - Erwartetes und Übererwartetes

Wenn Petrus und Paulus als "Apostelfürsten" bezeichnet werden, dann sind sie, wörtlich verstanden, die "ersten Gesandten" – und zwar nicht im chronologischen Sinn, sondern in ihrer Bedeutung.
Als "bedeutende" Gesandte sind zu etwas gesandt, so wie alle Christen, ja wie alle Menschen.

Dienstag, 24. Juni 2014

"...und wirfst du in mein Hirn den Brand..."

Einer wird von seinen Überzeugungen mitgerissen. Er fordert Veränderung, er brennt für seine Sache, zuletzt muss er sein Leben dafür lassen. Seine Inbrunst lässt die einen verzweifeln, andere werden angesteckt. Unbarmherzig kann er wirken, seine emotionale Tiefenbohrung aber ist getragen von der Hinwendung zu den Menschen.

Samstag, 21. Juni 2014

CSD und Aloisius von Gonzaga

Was für ein Zusammentreffen! Die größte und prominenteste öffentliche Bekundung lesbisch-schwuler Lebenskultur, die in Berlin dieses Jahr zum Sommeranfang gleich drei Umzüge hervorbringt, fällt auf den Gedenktag des Jesuitenheiligen Aloisius von Gonzaga (1556-1591).

Mittwoch, 18. Juni 2014

Auslieferung an Fronleichnam – Von der Incurvatio zur Traditio

Aus aktuellem Anlass ein Gedanke zu Fronleichnam, dem Hochfest der Eucharistie, des Abendmahls, des Leibes und Blutes Jesu Christi.

Mir scheint immer mehr, dass elementarer und zentraler Bestandteil sowohl mündig-verantwortlichen Menschseins als auch reifer Gottesbeziehung ein Prozess wechselseitigen "sich einander Auslieferns" ist.

Montag, 16. Juni 2014

Von Hand gemacht

Wenn dieser Tage alle vom Fuß und seinem runden Spielzeug sprechen, denke ich an die Worte, die Hilde Domin 1953 für das menschlichen Leben im Bild der Hand gefunden hat. In "Wen es trifft"1 umfährt sie nach dem existenziellen Ertasten von möglichen Schicksalsschlägen, die einen Menschen treffen können, die Ambivalenzen seines Handelns. 
Etwas pathetisch, etwas moralisch, aber von zutiefst humanem Geist erfüllt, ruft sie zu Achtsamkeit und Dankbarkeit auf. Der gebeutelte Andere lebt auch von meiner Hände Tun und Lassen:

Freitag, 13. Juni 2014

Dreifaltigkeit - Die Ränder fassen

Am christlichen Verständnis von Gott halte ich eine Reihe von Dingen für zentral. Ehrlich gesagt ist der Glaube an Gottes Dreifaltigkeit (am Sonntag nach Pfingsten Inhalt katholischer Besinnung) bei mir eher in der zweiten Reihe angesiedelt.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Die Gabe der Tränen

Mit den Gaben des Heiligen Geistes ist es so eine Sache – was kann jemand im Alltag konkret anfangen mit Rat oder Gottesfurcht, mit Wunderkräften, Glaubenskraft und den vielen anderen Begabungen, die Jesaja und Paulus nennen?1 Bei manchen Gaben ist das einfach: Kranke zu heilen oder Einsicht zu haben ist mit Sicherheit sehr alltagstauglich und auch "die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden", die Paulus nennt (1Kor 12,10), kann zum Durchblick durch das eigene Leben und die Zeitläufte verhelfen.
Bei Ignatius von Loyola (und auch früher) taucht nun die "Gabe der Tränen" auf, die sich an verschiedenen Stellen in seinen Schriften findet. Hier drängt sich beim ersten Hören die Frage noch konkreter auf, was denn eine solche Gabe soll.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Regelbruch, Anverwandlung, Wohlwollen, Selbsteinsatz

Wenn Selbstverwirklichung und Individualität Werte sind, die heute zählen, dann hat es das Christentum schwer. Doch insofern sie Werte sind, bleiben sie doch in den meisten Fällen imaginäre Größen – denn sich selbst erst einmal zu finden ist längst von der Werbewirklichkeit des Kapitalismus eingeholt und absorbiert worden. Und Individualität wirkt oft eher wie ein Oberflächenphänomen auf der Grundlage einer tieferliegenden Selbstgleichschaltung,1 was sich mit Blick auf die in meinem Viertel herumstreifenden, nahezu identisch aussehenden Hipster mindestens am Äußeren bewahrheitet. 

Freitag, 30. Mai 2014

Der Himmel über mir und die Erde gehören zusammen

"Natürlich ist Religion nicht etwas für den stillen Winkel und für einige Feierstunden, sondern sie muss, wie Sie es ja selbst empfinden, Wurzel und Grund allen Lebens sein. [...] In der Zeit unmittelbar vor und noch eine ganze Weile nach meiner Konversion habe ich nämlich gemeint, ein religiöses Leben führen heiße, alles Irdische aufgeben und nur im Gedanken an göttliche Dinge leben.

Samstag, 24. Mai 2014

Konsequent wählen

Wenn ich mich entscheide oder etwas wähle, dann hat das Konsequenzen.
Das ist so eingängig wie logisch, aber nicht in jedem Fall ohne Weiteres sichtbar.

Wenn Papst Franziskus auf seiner aktuellen Pilgerreise im Heiligen Land bestimmte Orte besucht (Herzls Grab!) und andere nicht, sich mit manchen Menschen trifft (Patriarch Bartholomaios) und mit anderen nicht, dann bedeutet das eine bewusste Beschränkung, die verschiedene Deutungen ermöglicht. Je nach Betroffenheit gehen die Emotionen über diese Auswahl breit auseinander.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Luther, Gott und Götzen

Es ist so toll, weil es so einfach und klar ist. Und kurz.
Luthers Erläuterung zum Ersten Gebot leuchtet auch uns Heutigen ein. Denn wie es wirklich mit Gott und den Götzen, mit der Verehrung fremder "Götter" in meinem Leben aussieht, lässt sich daran problemlos erkennen.

Dienstag, 20. Mai 2014

Vom Engel zum Racheengel - Gedanken zu Lars von Triers "Dogville"

Wenn die schlechtesten Seiten an Menschen wachgerufen werden, dann muss die Ursache dafür nicht unbedingt selbst schlecht sein.
So gesehen im Film „Dogville“ von Lars von Trier, in dem die junge Frau Grace sich in ein fiktives Dorf in den Rocky Mountains flüchtet und nach einigem Zögern der Einwohner aufgenommen wird.

Samstag, 17. Mai 2014

"Ich bin die Straße"

Christian Herwartz SJ übersetzt das berühmte Jesuswort aus dem Evangelium des heutigen Sonntags (Joh 14, 1-12) auf ganz eigene Weise. Wo Jesus in anderen Übersetzungen sagt "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben" (v 6) wird Jesus nun zur "Straße".

Mittwoch, 14. Mai 2014

Gott richtig verstehen - Unterscheidung der Geister nach Ignatius von Loyola

Wenn von der Stimme Gottes im Inneren eines Menschen die Rede ist, dann wird manchmal, wenn eine Hilfe beim Erkennen dieser Stimme gegeben werden soll, gesagt, dass wir sie daran erkennen, dass sie uns Frieden und Ruhe schenkt. Wer Frieden in sich hat, der spürt Gott.

Ich halte das für stark verkürzt und verzerrt.

Sonntag, 11. Mai 2014

Warum ich hinausgetrieben werden will

Ich versuche zu hören, wo es mich hinaustreibt.

Hinausgehen ist ein Lieblingswort von Papst Franziskus. Es ist das Mehr-Wollen, das Sich-Lösen, das In-Bewegung-Bleiben. Es meint Transzendieren des Altbekannten und ist somit auch ein Lernprozess.
Hinausgetrieben werden dagegen hört sich zunächst nicht freiwillig an. Und doch braucht es zum Aufbruch auch antreibende Gründe, die ich nicht immer mit meinem eigenen Willen identifizieren kann.

Freitag, 9. Mai 2014

Tag des Sieges, Tag der Klage

Während die ganze (westliche) Welt sich über Russlands Ambitionen in der Ukraine erregt, findet wie jedes Jahr die große Militärparade zum Tag des Sieges über Hitlerdeutschland auf dem Roten Platz in Moskau statt. Wladimir Putin bekennt sich aber demonstrativ auch auf der Krim: „Der 9. Mai war, ist und bleibt unser wichtigster Feiertag.“

Donnerstag, 8. Mai 2014

Das Kriegsende in den Augen der Beteiligten

Wie erlebten die Deutschen das Ende des Zweiten Weltkrieges? Wo fanden sie sich wieder nach sechs langen Jahren Tod und Zerstörung? War es ein Ereignis, das zum ultimativen Vergleichsmaßstab wurde, so wie für Leonard Cohen, der von sich singt: "I haven't been this happy since the end of World War II?

Dienstag, 6. Mai 2014

Religionsunterricht zwischen allen Straßengräben

Ich lebe in Berlin. Von allen anderen Vorzügen und Nachteilen einmal abgesehen ist Berlin ein Bundesland, in dem der Religionsunterricht kein ordentliches Lehrfach, sondern eine freiwillige Zusatzveranstaltung jener Schülerinnen und Schüler ist, die diese wählen; eine Sache, die in Verantwortung der Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften an den Schulen stattfindet.

Mittwoch, 30. April 2014

Warum ich Jesus folgen will

1
Zunächst ganz simpel: Weil ich überzeugt bin, dass er mich ruft.
Zu was genau, das lässt sich hoffentlich erkennen an einigen meiner Gaben, an meiner inneren Sehnsucht und an den Notwendigkeiten für Menschen solcher Gaben und solcher Sehnsucht heute.

Sonntag, 27. April 2014

Großes Schweigen der Erneuerung

Nun sind mit Johannes Paul II. und Johannes XXIII. zwei Päpste heilig gesprochen worden. Viele Vergleiche und Gegenüberstellungen waren zu hören, mannigfaltige Erinnerungen, Anekdoten und Analysen wurden dargeboten.

Sonntag, 20. April 2014

Ostermorgen - Der Lebende

Trauer im Herz haben – überrascht werden
einen Toten suchen – das Leben finden
kreuz und quer sehen – fokussiert werden
aufbrechen – dranbleiben

Samstag, 19. April 2014

Ostern - Die zärtlichste Nacht

Ich widerspreche selten und ungern, wenn es sich um Lyrik handelt. Noch dazu bei einer Autorin, die ich so schätze wie diese, Hilde Domin. Und sie hat ja auch recht – wenigstens zu Beginn und im Ganzen auch, wenn allein menschlich gedacht wird. Aber hier muss ich doch widersprechen.

Donnerstag, 17. April 2014

Gründonnerstag - Da wird was geboten!

Spargelhof Klaistow, 2014.
Diverse christliche Agitatoren werben für das Christentum, indem sie (ganz im Sinne der Pascalschen Wette) aufzeigen, was für die Einzelnen an Lebensqualität oder ewigem Heil herausspringt, wenn sie sich denn für Christus entscheiden. Das mag bis zu einem gewissen Punkt berechtigt und ansprechend sein.
Was aber, wenn die Heutigen etwas völlig anderes wollen als es die christliche Botschaft bieten kann?

Dienstag, 15. April 2014

Dein Leben, Herr

Handabdruck, Stralund, 2012.
Du hast Dein Leben in die Hände der Menschen gegeben.
Denn Deinen irdischen Leib haben unsere Sünden ans Kreuz gebracht.
Trotzdem liebst Du uns.

Dein Leben liegt in unseren Händen.
Denn in Deinem eucharistischen Leib empfangen wir Dein Leben in Fülle.
Auf diese Weise liebst Du uns.

Dein Leben wächst aus unseren Händen.
Denn im Leib der Kirche bringen wir Dein Leben zu den Menschen.
So liebst Du die Welt durch uns.

Sonntag, 13. April 2014

Palmsonntag - Auftakt

Haus, Bäume, Hufeisensiedlung, Neukölln,
Berlin, 2014.
Eine wilde Menge
jauchzt Hosanna

Köpft heute Blumen
statt Menschen

Selbstgestricktes Flickwerk
bietet Haltegrund

Freunde säumen Wege allerorten
der Herr braucht sie
Auf Rosen gebettet
emotional ankommen

Doch die Einflugschneise planen
ist erst der Auftakt

Im Namen des Herrn
auf den Esel gekommen

Reitet der König
zur Hochzeit des Lammes

Mittwoch, 9. April 2014

Kreuzweg, selbstgemacht

Wenn Schülerinnen und Schüler sich auf die Frömmigkeits- und Bildtraditionen der christlichen Überlieferung einlassen, kommen die vorgeprägten Bilder aus den Kirchen zusammen mit den Vorstellungen unserer Zeit.
Als Schattenstandbilder haben sich Fünftklässlerinnen und Fünftklässler aus Berlin für verschiedene Kreuzwegstationen fotografieren lassen. Die Regie der Bildkomposition lag in ihren eigenen Händen, die Fotos habe ich gemacht und bearbeitet.

Sonntag, 6. April 2014

"Er ist wieder da"

Einschusslöcher, Berlin-Mitte, 2014.
Als ich heute morgen das Evangelium von Lazarus und seiner Auferweckung hörte, durchzuckte es mich erinnernd. Das war doch fast wie diese Geschichte von Adolf Hitler, die ich gerade lese. Ein Toter wird wieder wach und lebendig. An seiner Rückkehr entzünden sich angeregte Diskussionen – und auch die Öffentlichkeit kocht sich wieder mal hoch.

Nur dass es, okay, bei Lazarus nicht in erster Linie um diesen selbst geht, sondern um Jesus, der die Auferstehung und das Leben ist. Und, ja, ich gebe es zu, dass Lazarus ein guter Freund Jesu war, was man von Hitler nun auch nicht behaupten kann. Es ließen sich sogar noch mehr Unterschiede finden – Lazarus war Jude, erwachte nach nur drei Tagen wieder zum Leben und von seiner weiteren Geschichte wissen wir nichts. Ganz anders im Roman "Er ist wieder da" von Timur Vermes.

Samstag, 5. April 2014

Makabrer Wettlauf

Masten, Plänterwald, Berlin, 2014.
Du sprachst vom Schiffe-Verbrennen
– da waren meine schon Asche –,
du träumtest vom Anker-Lichten
– da war ich auf hoher See –,
von Heimat im Neuen Land
– da war ich schon begraben
in der fremden Erde,
und ein Baum mit seltsamem Namen,
ein Baum wie alle Bäume,
wuchs aus mir,
wie aus allen Toten,
gleichgültig, wo.

von Hilde Domin1

Montag, 31. März 2014

Mit Paulus in der Imperativschneiderei

In was könnte man Fastenzeit-Gedanken besser kleiden als in die Imperative des Völkerapostels Paulus an die Gemeinde in Thessaloniki? Am Ende des ersten erhaltenen Briefes gibt er alles, damit in modischen Trendfarben die wichtigsten Dinge noch eingenäht werden.

Samstag, 29. März 2014

Karl Rahner, der Augenöffner

Karl Rahner war für mich eine Offenbarung. Trotz endloser Sätze mit abwägenden und nach überallhin sich abgrenzenden Formulierungen habe ich durch ihn das Denken, wenn schon nicht neu, dann immerhin tiefer durchdenken gelernt.
Nun ist er 30 Jahre tot, es wird seiner gedacht, seine Theologie wird für relevant oder überholt erklärt – mit Gewinn lesbar aber ist er immer noch, einige kleinere Schriften werden seit einigen Jahren sogar für den Hausgebrauch neu herausgegeben.

Donnerstag, 27. März 2014

"Kirche ist anders" – Reinhard Marx und Hans Joas im Gespräch

In die Katholische Akademie Berlin hatte Akademiedirektor Joachim Hake heute abend den Soziologen Hans Joas und Kardinal Reinhard Marx zum Gespräch über die Kirche und ihre Position in der Gesellschaft geladen.

Kann die Kirche mit soziologischen Beschreibungen gefasst werden oder entzieht sie sich aufgrund ihrer göttlichen Stiftung dieser Perspektive?

Sonntag, 23. März 2014

Oscar Romero – Widerstand bis zum Sprudeln der Quelle

Oscar Romero, ermordet am 24.03.1980, war seit 1977 Erzbischof von San Salvador, wurde in sein Amt eingesetzt, weil man in dem konservativ-orthodoxen Bischof einen verlässlichen Mann der mit den herrschenden Kräften eng verbundenen Kirche gefunden zu haben glaubte. Einer, der die jesuitischen Bewegungen zugunsten der Befreiungstheologie eindämmen und helfen sollte, dass alles bleibt wie bisher.

Donnerstag, 20. März 2014

Unordnung im Kopf

Die Lage schien während der anstrengenden Tage auf dem Majdan noch so schön eindeutig – hier ein böser Janukowitsch und sein undemokratischer Machterweiterungstrieb, dort die prowestlichen und damit guten Kräfte, die demonstrierten.

Aber was ist nun in der Ukraine los?

Montag, 17. März 2014

Fastenzeit - Umkehr zur Freude

Die Vorstellungen von der Fastenzeit sind für viele Christen traditionell mit einer Art Grusel belegt – es wird verzichtet und Buße getan, gebeichtet und umgekehrt.

Samstag, 15. März 2014

Der epistemische Unterschied, den eine Bergtour machen kann

Wie die Jünger Jesu über ihren Meister dachten, darüber können wir zu großen Teilen nur spekulieren. Nach dem Matthäusevangelium erkennt Petrus in ihm den Gesalbten Gottes, den Christus (16,16). Sonst gibt es wenige Anhaltspunkte, als wen die Fischer und Zöllner, die Zeloten und sonstigen frommen Juden den predigenden Zimmermann Jesus aus Nazareth angesehen haben.

Donnerstag, 13. März 2014

Gottes Reich im Osten? oder: Welche Heimat ersehnen?

Frau mit Kind, Halle-Neustadt, 2014.
Wenn ich Nachrichten über die aktuellen Vorgänge auf der Krim höre, kommt mir neben einem Beklemmungsgefühl auch die Frage nach der Heimat. Wohin gehören diese Menschen denn? – Als Russen aus machtpolitischen Gründen einst an die ukainische Sowjetrepublik verschenkt oder umgesiedelt, als Tataren vertrieben, als (ehemalige) Soldaten der Schwarzmeerflotte in der Fremde stationiert und oft heimisch geworden. Nun sind sie russische oder jedenfalls russischsprachige Ukrainer, von denen ein Teil einen neuen Pass möchte.

Samstag, 8. März 2014

Ein Mann von 33 Jahren

Als Jesu Leben sich seinem Höhepunkt in Jerusalem näherte, war er gerade 33 Jahre. Da ich gerade dasselbe Alter habe, frage ich mich, von irgendwelchen sonstigen Vergleichen weit entfernt, was dieses Leben Jesu in seinem Alter ausmachte.

Mittwoch, 5. März 2014

Worte über die Asche

Holzwand, Leipzig, 2013.
meine Scherben nicht liegen lassen

die Verkabelung lösen 

voll Verantwortung

ruhen

Umwege gehen

Reste anschauen

Transparenzverstärker

Sonntag, 2. März 2014

Vogels Schatzsuche


"Lebensbaum" von W. Neubert, Ausschnitt,
Halle-Neustadt, 2014.
“Wie deine Lerneinstellung, so deine Noten“
“Wie dein Alkoholkonsum, so deine Leber“
“Wie dein Schlafdefizit, so deine Augenringe“

Wo du zu simpel wirst, da schleift dein Herz.

Denn sie säen nicht und ernten nicht
und sind doch gut genährt.

Sei darum sorglos, denn nicht in Sorge kommt Gottes Reich.

Sonntag, 23. Februar 2014

Feindesliebe im ukrainischen Umbruch?

Ein schiefes Bild bringt die Dinge auf den Punkt: "es passt wie die Faust aufs Auge" – das Evangelium von der Feindesliebe an diesem Sonntag und die aktuellen Vorgänge in der Ukraine.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Die Ukraine – Eindrücke aus einem eigenwilligen Land

Ach, die Ukraine! Ach, die Ukrainer!
Seit dreizehn Jahren nehme ich inneren Anteil an dem, was in diesem Land „am Rande“ Europas passiert. Immer wieder bin ich seit 2001 hingereist, weil es mich zieht, weil das Land in seiner Zerrissenheit und Ungleichzeitigkeit mich fasziniert. Einige Eindrücke:

Sonntag, 16. Februar 2014

Die Verschärfung beginnt innen

Wer an die Vorgängigkeit der göttlichen Gnade vor dem menschlichen Handeln glaubt, hat es in der Bergpredigt nicht leicht. Nicht nur, dass Jesus die Gesetze des Alten Bundes explizit nicht außer Kraft setzen will, er setzt sogar noch eins oben drauf: Seine Worte im heutigen Evangelium (Mt 5,17-37) sind eine ethische Verschärfung, die harte Konsequenzen mit sich bringt.

Freitag, 14. Februar 2014

Gorbatschow - Franziskus - Parallelen?

Bei der immensen Aufmerksamkeit, welche die Arbeit von Papst Franziskus genießt, stellte sich mir dieser Tage die Frage nach einer Parallele – jener möglichen und fraglichen Parallele zwischen Franziskus und Michail Gorbatschow.

Sonntag, 9. Februar 2014

Mascha Kalékos "Rezept"

Mein absolutes Lieblingsgedicht von dieser Frau!
In vielen Imperativen bringt diese Dichterin aus Galizien, die ein Migrantenleben in Berlin, New York und Jerusalem führte, ihr Vertrauen und ihre Aufbruchbereitschaft, ihre lebendige Hoffnung und ihren ernüchterten Realismus zum Ausdruck.

Samstag, 8. Februar 2014

„La voie de l'ennemi“ – Die Berlinale zeigt Heimatlosigkeit.

Die Story des Films von Rachid Bouchareb ist leicht erzählt. Der Polizistenmörder William Garnett (Forest Whitaker) wird nach 18 Jahren Haft auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Er hat sein Leben geändert, ist Muslim geworden und möchte nun ein friedliches und normales Leben führen. Und genau so wirkt er auch – ein ruhiger, nachdenklicher und frommer Mann. So wird er zurück in die kleine Stadt geschickt, aus der er kam, erhält ein schäbiges Zimmer und eine Menge Auflagen von seiner Bewährungshelferin. Er findet einen Job, bald auch eine Freundin und tut überhaupt sein Bestes, um sich tatsächlich zu bewähren. Aber es soll nicht sein.

Dienstag, 4. Februar 2014

the very core of faith

Dass es Sex und Sünde nicht sind, hatte ich geahnt. Aber, wie der Volksmund sagt, hinhören lohnt sich bisweilen. Zum Beispiel bei den tausendmal gehörten liturgischen Texten der Eucharistiefeier.

Der Angelus – ein Ruf zur Inkulturation

Um etwas weihnachtliches Denken in den Alltag hinüber zu retten scheint mir der Angelus, das Zwölf-Uhr-Gebet mancher Christen, eine gute Weise zu sein, um Gottes In-die-Welt-Kommen auch im eigenen Leben konkret werden zu lassen.

Sonntag, 2. Februar 2014

Alfred Delps Tod und Jesu Darstellung

Ich glaube, aus all dem heraus werden wir wache und gesegnete Stunden beim Kinde haben. Diese Widerlegung all unserer Anmaßung, diese Pensionierung all unserer Wichtigkeit. Die Ohnmacht auf dem Seil ist eine Erziehung zum Verständnis des Kindes.“1

Freitag, 31. Januar 2014

Jesu Exodus - eine Parallelverschiebung

Der Weg Gottes mit seinem Volk ist bestimmt durch vielerlei Befreiungserfahrungen. Im Alten Testament ist die Exoduserfahrung nach Exodus 1-15, also der Auszug Israels aus Ägypten, das als entscheidendes Tun Gottes Erinnerte und im jährlichen Pessachfest Gefeierte.1

Dienstag, 28. Januar 2014

Über staatliche Gedenktage – Einmal Befreiung bitte!

Mindestens vier Feier- bzw. Gedenktermine sind in Deutschland auf verschiedene Weise mit Befreiungserfahrungen verbunden. Aber alle vier haben (trotz der von vielen Mandatsträgern betonten Relevanz) nur einen nachgeordneten, wenn nicht gar stiefmütterlichen Platz im öffentlichen Bewusstsein.

Sonntag, 26. Januar 2014

Die "Schwarze Milch" von Auschwitz erinnern – zurückblicken, ohne zu erstarren

Ich halte den 27. Januar für einen der wichtigsten staatlichen Gedenktage. Er erinnert am Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee an alle Opfer des Nationalsozialismus.

Freitag, 24. Januar 2014

Ein Papst für alle?

Es findet statt: Die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Dieses regelmäßig wiederkehrende Ereignis weckt keine medialen oder interkonfessionellen Begeisterungsstürme – meist noch nicht einmal ein paar Aufmerksamkeitsböen. Es spiegelt damit ziemlich typisch den ökumenischen Alltag für die meisten Kirchen und Gemeinschaften.

Montag, 20. Januar 2014

Tiefe


Theo, einer der "Träumenden"
von Anna Dorothea Klug,
Grassi-Museum Leipzig, 2014.
auf einer Schicht
von Alltag reitend


erschrecken
Eruptionen der Gemütstiefe


nicht geordnet
noch erschlossen


blitzen
wabern sie
durchs Grau


irren
verwirren
öffnen
den Grund
des Alltagsbreis

Samstag, 18. Januar 2014

Brot und Glanz 3 - Grenzliebe

Kurz nach meinem jährlich wiederkehrenden Tauftag heute mal einige Worte zu Johannes dem Täufer und dem, was sich aus einer Initiation so ergeben kann. Mir ist das Thema durch meinen Namen und die Herkunft aus einer Gemeinde "St. Johannes Baptist" besonders nahe.

Mittwoch, 15. Januar 2014

Frauenordination, praktisch

Es war beruhigend – knapp 500 Jahre nach der Reformation ist das Thema Frauenordination in den evangelischen Kirchen immer noch virulent. Die wirkmächtige Befreiungs- und Emanzipationsbewegung der (männlichen) Reformatoren des 16. Jahrhunderts konnte sich erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zu diesem Schritt durchringen, und auch das nicht weltweit.

Dienstag, 14. Januar 2014

Von Staunen und Gottesmord – "Das Kartengeheimnis" von Jostein Gaarder

Vor ein paar Wochen habe ich noch einmal zu einem meiner früheren Lieblingsbücher gegriffen und mich erneut über Jostein Gaarders "Das Kartengeheimnis" hergemacht. Dass der Autor aus Jugendperspektive und für junge Leser anspruchsvoll über philosophische Themen schreiben kann, ist hinlänglich bekannt und mit einer Menge Preisen bedacht worden.
Mir fiel darüber hinaus bei der erneuten Lektüre v.a. der theologische Gehalt des Buches auf, aus dem ich kurz einige Aspekte nennen möchte.

Samstag, 11. Januar 2014

getauft sein


– eine kleine Ewigkeit – neu bekleidet – der Tradition Genüge getan – gestärkt – LichtträgerIn geworden –

Dienstag, 7. Januar 2014

Restspiritualität

1
Reste – nicht mehr voll Taugliches, vom Ganzen übrig gebliebene Bruchstücke, nur gerade so noch verwendbare Teile, nicht verkäufliche Posten aus dem hintersten Teil des Lagers, hinausgeworfene Fetzen, Randständiges, Bodensatz, Müll.
Reste – armselig, verbraucht, ungewollt, liegengeblieben, ausgebrannt, problematisch, uninteressant.

Samstag, 4. Januar 2014

Liebeswort und Liebestat

Ein fundamentaler christlicher Glaubenssatz lautet: Die Welt führt sich zurück auf einen vernünftig-sinnvollen Willen.
Darum ist nach dem Johannesevangelium das, woraus die Welt hervorgeht, der Logos Gottes (altgriechisch: Wort, Sinn, Rede oder Vernunft).
Nicht Tohuwabohu, blindes Chaos und physikalische Zwangs- bzw. Zufälligkeit, sondern „Logos“.

Donnerstag, 2. Januar 2014

Neues Jahr - neues Herz

Der Blog beginnt das neue Jahr mit einer meiner Lieblingsstellen der Heiligen Schrift, einer Zusage Gottes an sein Volk beim Propheten Ezechiel. Wenn sich einige der zugesagten Dinge in diesem Jahr ergeben – das wäre was! Also: