Mittwoch, 11. Oktober 2017

Zwei Geburtstage: Kind und Katechismus

Wegen eines Geburtstags hätte ich hier natürlich nichts geschrieben, aber wenn zwei ins Haus stehen, ergeben sich doch überraschende Konvergenzen, die benannt werden sollten...

Meine Tochter, in der Trotzphase und bei allen damit verbundenen Ärgernissen doch immer wieder so ungemein liebenswert und niedlich, wird drei Jahre alt.
Sie hat am gleichen Tag Geburtstag wie der Weltkatechismus (KKK), der heute vor 25 Jahren von Johannes Paul II. promulgiert wurde.

Wie passt das also zusammen?

Unter Stuck und unter Freunden.
Berlin, 2017.
Als moderner Vater und echter deutscher Katholik habe ich natürlich ein Problem mit dem Thema Autorität.

In der Kindererziehung zeigt sich das vornehmlich in meiner inkonsequenten Haltung bei Konflikten und meiner ständigen (naja fast ständigen) Dialogbereitschaft. Schließlich möchte ich kein autoritäres Gehabe an den Tag legen, sondern dem Kind mit Respekt und Augenhöhe und blablabla.

Gleiches gilt in der Religion. Ich glaube nicht, dass die dogmatische Lehre als zentrale Kategorie des Christentums gelten sollte. Jesus jedenfalls überzeugt durch seine Zugewandtheit und das Erfahrbarmachen der Liebe seines Vatergottes. Nicht aber durch Pochen auf Gesetzlichkeit.

Seine Kategorie ist die Liebe.
Und das passt ja auch irgendwie zum Vater-Kind-Verhältnis.
Denn bei all der Anstrengung, dem furchtbaren Geschrei und Durchsetzenwollen des eigenen Willens in diesem schrecklich aufgeregten und unruhigen Alltag liebe ich dieses mein Kind doch über alles.

Und wie praktisch: das Thema Liebe findet sich auch in den ersten Worten des KKK. Dort heißt es unter der Nummer 1:
"In einem aus reiner Güte gefaßten Ratschluß hat er [Gott; RP] den Menschen aus freiem Willen erschaffen, damit dieser an seinem glückseligen Leben teilhabe."1

Gott will den Menschen aus Liebe an seiner Glückseligkeit teilhaben lassen!

Das ist also (nach dem Katechismus) der Ausgangspunkt unseres Glaubens und des ganzen darauf folgenden Heilsgeschehens mit Menschwerdung und Geistendung.

Das entspricht zwar nicht der Katechismusstandardeinschätzung seitens meiner liberalen Katholizität, aber wenn das tatsächlich die Basis des Katechismus ist, dann muss ich auch nicht die ganze Zeit streiten, ob die Verbindlichkeit seiner Aussagen nun das erste oder das zweite Hilfsmittel bei der Lösung der derzeitigen Glaubenskrise ist.2 Denn dann weisen schon die ersten Worte des Katechismus über ihn hinaus und in die Weite Gottes hinein. Der Kern ist eben die Einladung zur Teilhabe am Leben Gottes, nicht das Glaubenswissen. Das muss es auch geben, aber eben als zweites, das erste ist die persönliche Beziehung zu diesem Gott.

Ich meinerseits werde familiär damit leben, dass meine Tochter an meinem Leben teilnimmt – mit allen Hochs und Tiefs, allen tollen und erschreckenden, anstrengenden und erheiternden Momenten. 
Ähnlich dem Katechismus, nur dass der dabei meist im Regal stehen muss.

P.S.
Und, eine weitere Konvergenz, natürlich hat der Katechismus auch noch ein kleines Geschwisterchen bekommen, den YouCat.
Genau wie meine Tochter, nur dass ihr Geschwisterchen keinen englischen, sondern einen biblischen Namen bekommen hat!

Mit Kindersportartikel über sich selbst hinaus.
Trampolin, Schwerin am See, 2017.

1   Katechismus der Katholischen Kirche. München, Wien u.a. 1993, S. 38.
(Den Hinweis verdanke ich einem Interview mit Kardinal Schönborn http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/hier-erfahre-ich-was-die-kirche-lehrt)