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Freitag, 10. November 2017

Halb bemäntelt – halb erfroren. Ein Erlebnis und ein Zitat zum Martinsfest

Die Martinslegende kreist um die Mildtätigkeit des römischen Soldaten, der später unfreiwillig zum Bischof und schließlich zu einem der bekanntesten Heiligen der Christenheit wird. Diese Legende hat viele Anknüpfungspunkte.
Mir sind in den letzten Tagen zwei untergekommen.

Donnerstag, 9. November 2017

Die Deutschen vor ihrer Landschaft. Zum 9. November zwei Sätze von Yasmina Reza.

"Man kann nicht erkennen, wer die Leute sind, wenn man von der Landschaft absieht."1 Dies sei, so äußerte Yasmina Reza im Interview mit dem SPIEGEL, der Satz, auf den sie in ihrem letzten Roman "Babylon" besonders stolz ist.
Am 9. November lässt sich viel von der Landschaft der Deutschen erkennen. Hier spiegelt sich die geistige Umgebung, in der wichtige Momente deutscher Gemütslagen aufbewahrt sind.

Einer dieser Momente ist der 9. November 1938, als in der Reichspogromnacht die Läden vieler jüdischer Unternehmer und Handwerker zerstört wurden, viele Synagogen angezündet und verwüstet und viele jüdische Deutsche ins KZ Sachsenhausen verschleppt wurden. Es war der symbolische Auftakt der kommenden Greuel bis nach Auschwitz, an die wir heute mit Scham und Ekel denken.

Ein anderer Moment ist mit dem 9. November 1989 die unverhofft-erhoffte Öffnung der Grenzen in Berlin und der ganzen DDR, nachdem monatelang demonstriert, diskutiert und gebetet wurde. Die Mauer war zum Einsturz gebracht worden, die Freiheit war zum Greifen nah.

Montag, 6. November 2017

Auf der Suche nach den roten Fäden. "Tony Soprano stirbt nicht" von Antonia Baum

Antonia Baum hat 2016 mit "Tony Soprano stirbt nicht" ein sehr gelungenes Buch veröffentlicht, in dem sie die Gedanken und Erlebnisse reflektiert, die sie während des Wartens auf die Heilung ihres verunfallten Vaters hatte.

Die Ausgangssituation kann absurder nicht sein: Vor der Veröffentlichung ihres zweiten Romans, in dem es um einen abwesenden Vaters geht, dessen Leben ständig gefährdet scheint, hat ihr eigener Vater tatsächlich einen Unfall und liegt im Koma.

Dieses Zusammenfallen von Motiven des eigenen Romans und der eigenen Biographie ist, wie man so sagt, eine Geschichte, die das Leben schreibt – wer sie sich ausdächte, würde als unrealistisch ausgelacht werden. Und doch scheint sie so geschehen zu sein.
In dieser Frage nach der Beziehung von Wunsch und Gedanke zum wirklichen Leben hat das Buch auch sein Zentrum. Als Autorin ist Antonia Baum gewohnt, dass alles einen roten Faden hat und auf ein logisches Ende hinausläuft. Das ist der Sinn des Schreibens.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Wegen Vandalismus geschlossen. Von Heiligkeit und Verwundbarkeit.

Heute habe ich im Klinikum Neukölln den Raum der Stille aufgesucht und fand ihn geschlossen mit nebenstehender Inschrift.
Ich weiß nicht, was genau dort vorgefallen ist, aber wegen vereinzelter kleinerer Verstöße wäre er sicher nicht geschlossen worden.

Das Krankenhaus hält einen (multi- oder überreligiösen) Raum vor, der denen, die dorthin kommen und Kraft tanken wollen, den Rahmen dazu bieten soll – und es gibt Menschen, die genau darum dort wüten.
Natürlich finde ich das in erster Linie traurig und erschreckend und ein Zeichen übler Bosheit.

Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass es natürlich diesen Raum, der dem Äußeren nach zu urteilen, nicht besonders treffen musste.

Es gibt nämlich ein Gespür dafür, dass manchen Menschen etwas heilig ist.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Einheit der Deutschen und Einheit der Christen. Ein Denkanstoß

Als ich dieser Tage in der Ausstellung "Der Luthereffekt" im Berliner Martin-Gropius-Bau war und mich an den Spuren von "500 Jahre[n] Protestantismus in der Welt" erfreuen wollte, musste ich mich gleich zu Beginn sehr aufregen.
Im Lichthof des Museums befindet sich eine Raum-Klang-Installation des Künstlers Hans Peter Kuhn in Form einer sich windenden Doppelhelix, die für den Übergang vom Katholizismus zum Protestantismus stehen soll und eine ärgerlich simplifizierte Gegenüberstellung der Konfessionen betreibt. Im Begleittext heißt es nämlich, es sei eine "simple Metapher" gewählt worden:
"Die katholische Kirche ist die Mittlerin zwischen Mensch und Gott. Dadurch ergibt sich eine räumliche Einschränkung in der Vertikalen, eine Deckelung von oben. Dafür ist in der Breite Raum für lässliche Sünden. Der Protestantismus gewährt die direkte Beziehung zu Gott. Diese Öffnung in der Vertikalen geht jedoch einher mit einer Einengung in der Horizontalen, denn kleine Sünden sind nicht mehr erlaubt."1

Diese Art von intellektueller Schieflage im öffentlichen Raum eines Museums finde ich nun wirklich frech.

Donnerstag, 21. September 2017

Zwischen Resignation und Hybris. Zwei Reflexionen vor der Bundestagswahl.

Da meine Kinder nun einmal unumgänglich zu meinem Nahumfeld gehören, fallen mir anhand ihrer Verhaltensweisen, Möglichkeiten und Grenzen auch eine Reihe von Dingen auf, die sich in meine Assoziationsketten vor der Bundestagswahl 2017 einfügen.

Die Kleine ist noch keine drei Monate alt und wahltypologisch steht sie für mich auf dem Posten der Resignation.
Langsam nimmt das Baby immer mehr wahr, was um sie herum geschieht; von Tag zu Tag beobachtet sie genauer. Der über ihr sich bewegenden Hand folgt sie mit den Augen oder gar dem Kopf, die Wärmelampe lächelt sie an, auf elterntypische Kosegeräusche reagiert sie mal mit Lachen, mal gar nicht.
Und dann ist da ein über ihr baumelndes Spielzeug, von mir angestoßen und wegen seiner Bewegung von ihr angestaunt. Aber die Möglichkeit, es selbst auch zu berühren und in Bewegung zu bringen, scheint sie nicht zu haben. Oder doch?

Sonntag, 17. September 2017

Erbarmen. Im Sandkasten, bei der Bundestagswahl und im Sonntagsevangelium

Mit diesen (hier leicht abgewandelten) Worten war ich heute morgen im rbb zu hören:

Wenn ich mit meiner kleinen Tochter auf den Spielplätzen in unserem Viertel unterwegs bin, fällt mir regelmäßig dieser eine Satz aus der Bibel ein: „Hättest nicht auch du Erbarmen haben müssen?
Eines der anderen Kinder hat meiner Tochter etwas von seinem Sandspielzeug abgegeben. Anstatt nun friedlich miteinander zu spielen, greift meine (sonst natürlich außerordentlich gut erzogene) Tochter im nächsten Augenblick alle ihre Sachen, um nur ja nichts von ihnen abgeben zu müssen.
Zwar kann sie selbst auch nicht mehr spielen, wenn sie alle Schaufeln und Eimer vor den Bauch presst, aber die Verteidigung ihres Besitzstandes ist ihr in diesem Moment viel wichtiger.

Samstag, 16. September 2017

Abel, steh auf! Ein Plädoyer für das Leben

Man muss nicht mit allen Ausformungen christlicher Lebensschutzinitativen übereinstimmen, um sich für ungewollte Menschenleben einzusetzen. Schon ganz und gar unpassend finde ich die unanständigen Aufrufe und Aktionen mancher linker Gruppen, die sich dem Wunsch nach dem Schutz menschlichen Lebens entgegenstellen.
Während sich also in diesen Stunden wieder viele Demonstranten und Gegendemonstranten in Berlin einfinden, um beim "Marsch für das Leben" vornehmlich für oder gegen Abtreibung (aber auch zu anderen Lebensschutzthemen) zu demonstrieren, finde ich im trauten Kreis der Familie eines meiner Lieblingsgedichte, das zu diesem Marsch passt.

Verlust des Menschen. Müllrose, 2017.
Es ist geschrieben von der Namensgeberin dieses Blogs, Hilde Domin, und handelt von der tragischen Unumkehrbarkeit des ersten gewaltsamen Todes, des Todes von Abel durch die Hand seines Bruders Kain. Und es handelt von der Hoffnung auf einen Neuanfang, vom Aufstehen gegen den Tod.

Montag, 4. September 2017

Bebender Boden voller Splitter. Die Flüchtlingsfrage in der Literatur

"Erinnerungen sind keine Abschnitte in Handbüchern, es sind aber auch nicht nur Einflüsterungen. Viel eher sind es Splitter, auf die man barfuß im Dunkeln tritt, weil man vergessen hat, dass etwas zu Bruch gegangen ist".1
So muss es vielen der Geflüchteten gehen, die über das Mittelmeer oder die Türkei nach Europa und Deutschland zu gelangen versuchen. Ihr früheres Leben ist zu Bruch gegangen und alles, was bleibt sind die Splitter, die immer noch Verletzungen verursachen. Als vor zwei Jahren die Flüchtlingsfrage zwischen Ungarn und Deutschland und letztlich in ganz Europa noch einmal völlig neu sortiert wurde, ahnte wohl niemand, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln würden. Wir wissen es ja immer noch nicht, sind nur einen Wegabschnitt weiter.
Aber die Erinnerung an diese Tage und Wochen ist auch für manche Europäer wie ein Splitter, der im Fuß sitzt und schmerzt. Was da zu Buch ging, war die immer noch stillschweigend vorausgesetzte Übereinstimmung in Sachen europäischer Menschlichkeit. War die Illusion mancher Deutscher, sich abschotten zu können von den Zeitläuften der Welt. War die Hoffnung, mit all dem, was an den Rändern Europas passierte, nichts zu tun haben zu müssen.

Samstag, 1. Juli 2017

Worum dreht sich mein Leben? Predigtgedanken zu Mt 10,37-42

Jesus zeigt, was in ihm steckt – dieses Evangelium ist wieder einmal ein Hammer!
Ich konzentriere mich nur auf einen Satz, den ich neben den anderen spannenden Aussagen für besonders sperrig und anstößig halte:
"Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig." (Mt 10,37)

Drei Schritte, ein biblischer, ein heilsgeschichtlicher und ein persönlich-existenzieller, sollen helfen, sich diesem Text anzunähern.

Donnerstag, 29. Juni 2017

Alles für alle!? Theologische Gedanken über die gleichgeschlechtliche Ehe

Mit diesem Thema kann man sich nur Feinde machen.
Wer versucht, sich mit der Frage der vollen rechtlichen Gleichstellung von Ehen zwischen Partnern gleichen Geschlechts nicht einseitig auseinanderzusetzen, sondern die unterschiedlichen Positionen wahrnehmen und differenziert bewerten will, setzt sich wahlweise dem Vorwurf des Glaubensverrats (hierzulande zumeist von konservativ-katholischer Seite) oder der homophoben Intoleranz (von den meisten anderen Seiten) aus.
Die nette Form der Verachtung zeigt sich in der Titulierung dieses Versuchs als Meinungsschwäche.

Ich oute mich also und sage gleich zu Beginn, dass ich mir in dieser Sache einigermaßen unklar bin.
Einerseits kann ich das Bedürfnis nach dieser Gleichstellung voll und ganz nachvollziehen und halte die Ehe für Homosexuelle auch theologisch problemlos für begründbar.
Andererseits habe ich ein großes Unbehagen bei der Frage der Begrifflichkeit und dem, was unter dem Begriff Ehe dann noch verstanden werden kann.

Samstag, 3. Juni 2017

Pfingsten – Geist ohne Taube bei Volker Stelzmann

Es ist ein Kreuz mit dem Geist Gottes.
Unbefriedigend ist vor allem, sich keine befriedigende visuelle Vorstellung, kein Bild von ihm machen zu können. Entweder wird er durch ein fliegendes Tier symbolisiert oder mithilfe eines kleinen Feuerflämmchens, was jeweils seine theologischen und künstlerischen Gründe hat, aber für befriedigend halte ich auch das nicht. Vielleicht sollte man ihn einfach überhaupt nicht darstellen.
Diese letztere Möglichkeit passt nämlich für Gott überhaupt am besten – zur Theologie genauso wie zu Kunst mit christlichen Motiven.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Eine aber erinnert sich – Vom Geisteswehen in "Saint Mazie"

Vor Pfingsten ruft die Kirche nach dem Heiligen Geist. Der aber weht bekanntlich nicht nur in den Mauern der Kirche und zeigt sich bevorzugt dort, wo Menschen einander zugewandt sind und sich besonders gegenüber den Bedürftigen öffnen.

Daran musste ich denken, als ich vor kurzem den neuen Roman von Jamie Attenberg, "Saint Mazie", las. Attenberg greift die Lebensgeschichte der New Yorkerin Mazie Phillips-Gordon auf und erzählt, aus verschiedenen Sichtweisen wie eine Reportage zusammengesetzt, deren Leben vor allem in den 1920er Jahren. Hauptsächliche Erzählperspektive ist das fiktive Tagebuch, aber es kommt neben sich erinnernden Bekannten auch die historische echte Mazie in nachgelassenen autobiographischen Fragmenten zu Wort.
Auf diese Weise entspannt sich nach und nach ein Leben, dass in seinen Suchbewegungen und dem Einsatz für die obdachlosen Opfer der Wirtschaftskrise, aber auch in den spirituellen Andockversuchen bisweilen an Simone Weil oder Dorothy Day erinnert.

Freitag, 19. Mai 2017

Sehnsucht und Individualität – Thomas Frings' Gedanken zu Entscheidungsgemeinden

Seinen Krisendiagosen schickt der ehemalige Münsteraner Pfarrer einige Ideen hinterher, die ich einigermaßen einleuchtend finde. 
Darum seien sie hier präsentiert, wenngleich die Phänomene einer kirchlichen Krise in der Diaspora Ostdeutschlands ein ganz anderes Gesicht haben als in der (noch) volkskirchlichen Situation des Rhein- und Münsterlandes. Undifferenzierte Forderungen an die Kirche, Familienfeste mit religiösem Unterfutter zu versorgen und die zugleich eingegangenen Verpflichtungen zu ignorieren, stellen m.E. nicht den Regelfall dar.
Doch die abnehmende Zahl der aktiven Christen und der Mitglieder einer Kirche lassen natürlich auch in unserem Umfeld die Frage aufkommen, was religiös Suchenden denn seitens der Kirche anzubieten wäre.

Samstag, 6. Mai 2017

Auszug der Schafe – Oder: Was für ein Hirte ist Thomas Frings?

Im Evangelium von Hirt und Herde, vom Schafstall und der Tür hinein (Joh 10,1-10) zeichnet das Johannesevangelium ein Bild des Vertrauens zwischen den Schafen und ihrem Hüter. Die Schafe folgen dem vertrauten Hirten und ihr Ein- und Ausgang ist so sicher, dass sie später das "Leben in Fülle" (v10) haben.
Wer aber auf die heutige Situation der Kirche in unseren Breiten und auf die bestellten Hirten schaut, der kann sehr rasch ernüchtert werden. Wenig Kontakt der Christen in ihre Gemeinden und zu den hauptamtlich Leitenden, wenig Zutrauen in die Leitung vor Ort, wenig Hoffnung für die Zukunft – und auch beim inneren Kontakt zum eigentlichen Hirten Christus scheint nicht Freundschaft im Gebet, sondern Sprachlosigkeit vorzuherrschen.
Was ist das für eine Herde, der die Schafe fortlaufen?

Samstag, 22. April 2017

Thomas will noch was – Überlegungen zu religiöser Erziehung und Erfahrung

Irgendwann blieb seine religiöse Erziehung stecken – als Kind und etwas darüber hinaus war Thomas zwar begeistert mit dabei, aber dann fehlte ihm eine entscheidende Erfahrung, die einige andere gemacht hatten.
Er wusste selber nicht, was das sein könnte. Er spürte eben keine besondere Nähe mehr zu Gott oder zu Jesus.
Verabschiedete sich innerlich. Und war draußen.
Das war plötzlich alles nichts mehr für ihn, er glaubte nicht, dass es noch irgendetwas bringen würde, mit den Anderen rumzuhängen, wenn sie jetzt vielleicht noch in irgendeine blöde Schwärmerei fielen.

Samstag, 8. April 2017

Palmsonntag im Radio – Auf- und Abstieg des Königs

In diesem Jahr komme ich aus verschiedenen Gründen nicht so viel zum Füttern des Blogs.
Dafür habe ich vor ein paar Tagen an einem Radiobeitrag meiner geschätzten Kollegin Hildegard Stumm mitgewirkt, der am Morgen des Palmsonntags um 7:05 Uhr auf Deutschlandradio Kultur zu hören ist.
Der Link zur Sendung findet sich hier.
Im Folgenden einige Ausschnitte mit (leicht um mündliche Unschärfen bereinigten) Zitaten von mir in der Sendung:

Samstag, 1. April 2017

"Soviel Licht gibt es nicht auf der Welt" – Peter Høeg und Lazarus

In seinem Roman "Der Plan von der Abschaffung des Dunkels" erkundet Peter Høeg die Auswirkungen der brutalen Erziehungswelt in einer dänischen Internatsschule auf das Leben der Heranwachsenden.
Das gesellschaftlich-pädagogische Ideal der Integration von leistungsschwachen, sozial auffälligen und straffällig gewordenen Schülern in eine Schule "für alle" wird konterkariert von der abgrundtiefen Isolation, in die die auf Angst gegründete übergriffige Pädagogik diese Kinder treibt. Das Buch bedient sich dabei regelmäßig der Bilder von Licht und Dunkel, Innen und Außen – und der Grenze, auf der sich der Ich-Erzähler Peter dabei sieht.

Dienstag, 31. Januar 2017

Nicht mehr die Herrschaft des Rechts – mein demokratischer und religiöser Ekel

Die Geschehnisse, die in den letzten Tagen aus dem Weißen Haus berichtet werden, widern mich aus verschiedenen, jedoch ineinander übergehenden Gründen an.

1
Natürlich geht es mir in erster Linie um das schlecht bis gar nicht kaschierte Einreiseverbot für Muslime (de facto, nicht de jure), das von seinem Inhalt über die Art seiner Anordnung bis hin zur Veröffentlichung ein Desaster ist.

Freitag, 27. Januar 2017

Identität und Scham – Gedanken zum Holocaust-Gedenktag

Ich liebe dieses Land.
Mit dem 27. Januar als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Mit dem 08. Mai als Gedenktag des Kriegsendes.
Ich liebe, was dieses Land ausmacht, aber nicht alles, was in seiner Geschichte geschah.
Es gibt Verabscheuungswürdiges und Bewundernswertes, Ekelhaftes und Schönes. 
Wie überall.

Und es gibt eine Kultur, die über beides, die eigenen Licht- und Schattenseiten, nicht schweigt. (Jedenfalls nicht immer.)
Es gibt Selbstkritik als Grundlage einer reflektierten Identität, was manchmal zu moralischer Besserwisserei führt. Aber in diesem Land lebt eine Bereitschaft, sich mit sich selbst und der eigenen Geschichte kritisch auseinanderzusetzen.
Diese Haltung mag individuell sehr verschieden verwirklicht werden. Sie schuf jedoch einen weitreichenden Konsens über gewisse grundlegende Tatsachen in der Geschichte dieses Landes.