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Samstag, 19. August 2017

Der Jesus des Koran – Barmherzigkeit, Diener, Wort

Die Frau im Evangelium des Sonntags (Mt 15,21-28) gehört eindeutig einer fremden Religion an. Das hindert sie aber nicht, sich bittend an Jesus zu wenden. Auf diese Weise drückt sie die enorme Bedeutung aus, die sie ihm zuspricht.
Das Evangelium macht mit dieser Episode nicht nur den Lernprozess Jesu deutlich, denn dieser wendet sich der Frau nach anfänglicher Ablehnung doch noch zu, sondern es zeigt auch die Attraktivität Jesu für Menschen außerhalb des engen Kreises derer, die sich explizit zu ihm bekennen.

Auch wenn die Terrorattacken dieser Tage etwas anderes zu insinuieren scheinen – das gilt besonders für den Islam: Wahrscheinlich gibt es "keine andere Religion neben dem Christentum, die in den normativen Grundlagen ihres eigenen Glaubens eine so tiefe Wertschätzung von Person und Werk Jesu von Nazaret vorfindet wie der Islam."1
Aus diesem Grund möchte ich den Evangelientext zum Anlass nehmen, um, angeleitet von Klaus von Stoschs Überlegungen, einige Blicke aus koranischer Perspektive auf Jesus zu werfen. Da ich selbst kein tiefer Kenner der Materie bin, halte ich mich an seine Ausführungen in "Herausforderung Islam. Christliche Annäherungen."2

Sonntag, 9. Juli 2017

Unmündig werden leicht gemacht! Ein Gedanke zum Sonntagsevangelium

Man muss nichts können, um Christ zu sein.
Man braucht keine speziellen „soft skills“, kein Expertenwissen, keine bessere Lebensweise, keine intensive Gebetspraxis.
All diese Dinge mögen bisweilen helfen, ein Christ zu sein. Aber sie sind keine Voraussetzung für christliches Leben. 

Freitag, 7. Juli 2017

Ein Busch und ein Fisch – Zwei Tabernakelbetrachtungen

Gottes Gegenwart wird in Gotteshäusern katholischer Provenienz vornehmlich in der geweihten Hostie gesucht. Dieses kleine Stück Brot hat seinen regulären Aufbewahrungsort im Tabernakel. In Erinnerung an Gottes Anwesenheit bei seinem durch die Wüste wandernden Volk im Bundeszelt gilt für Christen nun dieses vergängliche "Zelt" (lat. tabernaculum) als Möglichkeit, dem Gott, der über alles hinaus ist, verlässlich zu begegnen.
In der Kunst- und Architekturgeschichte hat der Tabernakel verschiedenste Formen mit unterschiedlichen theologischen Akzentuierungen erhalten:
Von der hängenden Taube, in der die Heilige Gabe als Geschenk des göttlichen Geistes herabzuschweben scheint, über das Schmuckkästchen, das den größten Schatz der Christen bewahrt, bis zur Himmel und Erde, Boden und Gewölbe verbindenden Stele sind zahlreiche Ausformungen zu finden (vgl. auch die Gedanken zum Tabernakel in der Kirche St. Canisius in Berlin Charlottenburg).

An dieser Stelle möchte ich zwei Tabernakel aus meinem derzeitigen Umfeld vorstellen: den Tabernakel aus St. Clara in Berlin Neukölln und den aus dem Christian-Schreiber-Haus in Alt-Buchhorst.
Tabernakelgestalt und theologischer Hintergrund können sich dabei gegenseitig erhellen.

Donnerstag, 29. Juni 2017

Alles für alle!? Theologische Gedanken über die gleichgeschlechtliche Ehe

Mit diesem Thema kann man sich nur Feinde machen.
Wer versucht, sich mit der Frage der vollen rechtlichen Gleichstellung von Ehen zwischen Partnern gleichen Geschlechts nicht einseitig auseinanderzusetzen, sondern die unterschiedlichen Positionen wahrnehmen und differenziert bewerten will, setzt sich wahlweise dem Vorwurf des Glaubensverrats (hierzulande zumeist von konservativ-katholischer Seite) oder der homophoben Intoleranz (von den meisten anderen Seiten) aus.
Die nette Form der Verachtung zeigt sich in der Titulierung dieses Versuchs als Meinungsschwäche.

Ich oute mich also und sage gleich zu Beginn, dass ich mir in dieser Sache einigermaßen unklar bin.
Einerseits kann ich das Bedürfnis nach dieser Gleichstellung voll und ganz nachvollziehen und halte die Ehe für Homosexuelle auch theologisch problemlos für begründbar.
Andererseits habe ich ein großes Unbehagen bei der Frage der Begrifflichkeit und dem, was unter dem Begriff Ehe dann noch verstanden werden kann.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Zeichen und Werkzeug – Fronleichnam und die Herausforderung der Ökumene

Die ökumenisch bedeutendste Aussage über die Eucharistie ist eine, die leider jeglicher Popularität entbehrt.
Denn es handelt sich um eine etwas sperrige und technisch klingende Doppelaussage – dass die Eucharistie "Zeichen und Werkzeug" kirchlicher Einheit sei.1
Einheit ist in der eucharistischen Feier darum zentral, weil sich durch das Zusammenkommen der Vielen zum einen Mahl zugleich die Einheit der Kirche verwirklicht. Sie teilen den einen (eucharistischen) Leib Christi und werden darum selbst der (kirchliche) Leib Christi. Paulus schreibt in der zweiten Lesung des heutigen Festes: "Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot." (1Kor 10,17)

Die Crux ist nun, dass die Christenheit bekanntlich nicht eine einzige Kirche ist, sondern aus vielen verschiedenen Kirchen besteht. 

Mittwoch, 7. Juni 2017

Gott ohne Garantie, ohne Maß – und ohne Bild

Und hier noch ein Nachschlag zu meinen Gedanken an Pfingsten, die um die Nichtdarstellbarkeit des Geistes Gottes kreisten.

Klar, das biblische Bilderverbot (Ex 20,4) erinnert uns daran, dass Gott über alle Vorstellungen hinaus geht und mit unseren menschlichen Vorstellungen nicht zu fassen ist. Gott ist größer – darum reichen all unsere Versuche, ihn zu verstehen und in Worte zu fassen nicht aus. Und eine bildliche Darstellung verbietet sich darum noch viel mehr.

Samstag, 3. Juni 2017

Pfingsten – Geist ohne Taube bei Volker Stelzmann

Es ist ein Kreuz mit dem Geist Gottes.
Unbefriedigend ist vor allem, sich keine befriedigende visuelle Vorstellung, kein Bild von ihm machen zu können. Entweder wird er durch ein fliegendes Tier symbolisiert oder mithilfe eines kleinen Feuerflämmchens, was jeweils seine theologischen und künstlerischen Gründe hat, aber für befriedigend halte ich auch das nicht. Vielleicht sollte man ihn einfach überhaupt nicht darstellen.
Diese letztere Möglichkeit passt nämlich für Gott überhaupt am besten – zur Theologie genauso wie zu Kunst mit christlichen Motiven.

Freitag, 19. Mai 2017

Sehnsucht und Individualität – Thomas Frings' Gedanken zu Entscheidungsgemeinden

Seinen Krisendiagosen schickt der ehemalige Münsteraner Pfarrer einige Ideen hinterher, die ich einigermaßen einleuchtend finde. 
Darum seien sie hier präsentiert, wenngleich die Phänomene einer kirchlichen Krise in der Diaspora Ostdeutschlands ein ganz anderes Gesicht haben als in der (noch) volkskirchlichen Situation des Rhein- und Münsterlandes. Undifferenzierte Forderungen an die Kirche, Familienfeste mit religiösem Unterfutter zu versorgen und die zugleich eingegangenen Verpflichtungen zu ignorieren, stellen m.E. nicht den Regelfall dar.
Doch die abnehmende Zahl der aktiven Christen und der Mitglieder einer Kirche lassen natürlich auch in unserem Umfeld die Frage aufkommen, was religiös Suchenden denn seitens der Kirche anzubieten wäre.

Samstag, 6. Mai 2017

Auszug der Schafe – Oder: Was für ein Hirte ist Thomas Frings?

Im Evangelium von Hirt und Herde, vom Schafstall und der Tür hinein (Joh 10,1-10) zeichnet das Johannesevangelium ein Bild des Vertrauens zwischen den Schafen und ihrem Hüter. Die Schafe folgen dem vertrauten Hirten und ihr Ein- und Ausgang ist so sicher, dass sie später das "Leben in Fülle" (v10) haben.
Wer aber auf die heutige Situation der Kirche in unseren Breiten und auf die bestellten Hirten schaut, der kann sehr rasch ernüchtert werden. Wenig Kontakt der Christen in ihre Gemeinden und zu den hauptamtlich Leitenden, wenig Zutrauen in die Leitung vor Ort, wenig Hoffnung für die Zukunft – und auch beim inneren Kontakt zum eigentlichen Hirten Christus scheint nicht Freundschaft im Gebet, sondern Sprachlosigkeit vorzuherrschen.
Was ist das für eine Herde, der die Schafe fortlaufen?

Donnerstag, 4. Mai 2017

"Fern von Rom und nah beim Kreuz" - "Evangelio" von Feridun Zaimoglu

Die Ausgangslage dieses aktuellen "Luther-Romans"1 ist vielversprechend – der katholische Landsknecht Burkhard muss den "Ketzer" Martin Luther im Auftrag des Kurfürsten vor allen möglichen Feinden schützen. Im Wechsel von Ich-Erzählung dieses Beschützers und Briefen Luthers an diverse Gefolgsleute tritt das Jahr 1521/22 auf der Wartburg in das wechselnde Licht zweier gegensätzlicher Perspektiven.

Samstag, 22. April 2017

Thomas will noch was – Überlegungen zu religiöser Erziehung und Erfahrung

Irgendwann blieb seine religiöse Erziehung stecken – als Kind und etwas darüber hinaus war Thomas zwar begeistert mit dabei, aber dann fehlte ihm eine entscheidende Erfahrung, die einige andere gemacht hatten.
Er wusste selber nicht, was das sein könnte. Er spürte eben keine besondere Nähe mehr zu Gott oder zu Jesus.
Verabschiedete sich innerlich. Und war draußen.
Das war plötzlich alles nichts mehr für ihn, er glaubte nicht, dass es noch irgendetwas bringen würde, mit den Anderen rumzuhängen, wenn sie jetzt vielleicht noch in irgendeine blöde Schwärmerei fielen.

Donnerstag, 13. April 2017

Karfreitag – Das Gebrochensein liegt der Kirche in den Genen

Vorbemerkung: In diesem Jahr darf ich zu den Hohen Tagen dreimal im Gefängnis Gottesdienste feiern und predigen, darum nutzen die Texte bisweilen die Form der Anrede und beziehen sich dabei immer wieder auf das Leben im Gefängnis. Dennoch wird nicht alles genauso gesagt werden, manche Dinge stehen hier nur, damit ich sie im Hinterkopf habe, wenn ich mich auf das freie Sprechen vorbereite.

Am Karfreitag erinnern wir uns an den gewaltsamen Tod des Jesus aus Nazareth vor knapp 2000 Jahren. Natürlich erinnern wir uns deshalb an ihn, weil wir als Christen der Meinung sind, dass sein Tod damals etwas mit uns zu tun hat. Aber was genau sollte uns dieser Tod angehen – und was kann er uns sagen, selbst wenn wir nicht die frömmsten Christen wären?

Ich möchte mit drei Gedanken versuchen, auf diese Frage einzugehen.

Samstag, 8. April 2017

Palmsonntag im Radio – Auf- und Abstieg des Königs

In diesem Jahr komme ich aus verschiedenen Gründen nicht so viel zum Füttern des Blogs.
Dafür habe ich vor ein paar Tagen an einem Radiobeitrag meiner geschätzten Kollegin Hildegard Stumm mitgewirkt, der am Morgen des Palmsonntags um 7:05 Uhr auf Deutschlandradio Kultur zu hören ist.
Der Link zur Sendung findet sich hier.
Im Folgenden einige Ausschnitte mit (leicht um mündliche Unschärfen bereinigten) Zitaten von mir in der Sendung:

Dienstag, 28. März 2017

Säge oder Brot - Wie teilen richtig geht.

Kreuz, Säge, Brot. Grünheide, 2017.
Beim Blick auf das so genannte Mahl Jesu mit den Sündern (Mt 9,9-13) fielen mir für einen Schülergottesdienst dieser Tage zwei Symbole ein, die die Grundbewegungen dieser Begegnung einfangen.

Da ist einmal Jesus, der durch das gemeinsame Mahl Gemeinschaft mit den Sündern herstellt.
Symbolisch dafür - das Brot, das geteilt wird und auf diese Weise eine Verbindung zwischen den Teilnehmern des Mahles schafft.

Auf der anderen Seite die Pharisäer mit ihrem Wunsch nach rdentlicher Einhaltung der Grenzen und ihrem Ärger über den offensichtlich viel zu weitherzigen Jesus.
Symbolisch dafür - die Säge, die ebenfalls teilt, auf diese Weise aber Trennung bewirkt.

Samstag, 21. Januar 2017

First things first! – Die zwei unterschiedlichen Visionen von Trump und Jesus

Kopf an! Museumsinsel Berlin, 2016.
"Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um. Denn das Himmelreich ist nahe." (Mt 4,17)

Und Präsident Trump sprach zu der versammelten Menschenmenge: "Vom heutigen Tag an wird eine neue Vision unser Land regieren. Vom heutigen Tag an wird es nur noch Amerika zuerst heißen, Amerika zuerst." (Antrittsrede, 20.01.2017)

Als er Simon und Andreas sah, "sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen." (Mt 4,19)

Und im Angesicht der Menschen sprach er: "Ich werde mit jedem Atemzug meines Körpers für euch kämpfen, und ich werde euch nie hängenlassen. ... Alle Amerikaner in jeder Stadt, nah und fern, groß und klein, von Berg zu Berg, von Ozean zu Ozean, hört diese Worte. Ihr werdet niemals mehr ignoriert werden. Eure Stimme, eure Hoffnungen und eure Träume werden unser amerikanisches Schicksal bestimmen. Und euer Mut und eure Tugend und Liebe wird uns für immer auf diesem Weg leiten."

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Kontrastprogrammschwankungen zwischen den Jahren

Weihnachten, das sind sowieso schon immer Kontraste, und dieses Jahr nun besonders deutliche, die zu benennen fast schon platt ist:
Deutsche Gemütlichkeit im Familienidyll bei der Geburtstagsfeier eines obdachlosen und unehelichen Kindes.
Dazu Terror und Gewalt in Aleppo, in Berlin und anderswo, während man zwischen den Jahren endlich entspannt die freien Tage genießen will.
Gesang von der stillen Nacht, die (jedenfalls in Berlin) schon von Böllern torpediert wird.
Wo das Familienidyll nur Sehnsucht bleibt, sind besonders heftige Auseinandersetzungen an der Reihe.
Von all den anderen Reibepunkten des Weihnachtskapitalismus und der Glühweinseligkeit mit der christlichen Botschaft ganz zu schweigen.

Mittwoch, 16. November 2016

Sehen lernen mit Architektur - Der Kirchenneubau von St. Canisius in Berlin

Gerade habe ich einen Oasentag für das Kollegium einer katholischen Grundschule in Berlin gestaltet. Orte der Veranstaltung waren der Gemeindesaal und die Kirche von St. Canisius im Berliner Stadtteil Charlottenburg.
Weil ich die Architektur und Ausgestaltung dieses Kirchenneubaus von 2002 so schön finde, habe ich mir aus diesem Anlass einige Gedanken dazu gemacht und aufgeschrieben.

Dienstag, 1. November 2016

Alle Heiligen ehren – und über Simone Weil stolpern

Entgegen landläufiger Meinung ist Heiligkeit keine menschliche Leistung, sondern ein Anteil an der Heiligkeit dessen, der allein heilig ist. Es ist ein Abglanz von Gottes Heiligkeit.

Nach katholischem Verständnis gehören zu den als Heiligen verehrten Menschen insbesondere jene, die Jesus zu seinen Lebzeiten berufen und in besonderer Weise gesandt hat, also die Apostel, jene, die ihr Leben für Christus gegeben haben, also die Märtyrer, jene, "die Christi Jungfräulichkeit und Armut entschiedener nachgeahmt haben"1 und damit ein heiligmäßig vorbildliches Leben führten. Deshalb müssen für eine Heiligsprechung Erhebungen "über das Leben, über die Tugenden oder das Martyrium und den Ruf der Heiligkeit bzw. des Martyriums, über behauptete Wunder sowie gegebenenfalls über eine althergebrachte Verehrung"2 angestellt werden.
Im Hintergrund steht die Überzeugung, dass Gottes Geist sich im Leben dieser Menschen besonders sichtbar geworden ist, in ihrem Leben, sagt das Konzil, "zeigt Gott den Menschen in lebendiger Weise seine Gegenwart und sein Antlitz."3

Montag, 31. Oktober 2016

Reformationstag – Füreinander danken können

Zum Auftakt des Gedenkens an 500 Jahre Reformation habe ich mir den Liturgieentwurf für den zentralen ökumenischen Gottesdienst, der am 11. März 2017 in Hildesheim stattfinden soll, etwas näher angeschaut.
Das gemeinsame Wort, in dem der Liturgieentwurf enthalten ist, trägt den Namen "Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen".1 Das Thema des Gottesdienstes ist dementsprechend Buße, Versöhnung und gemeinsames Zeugnis.